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Der Langzeitstudent nimmt seine Zukunft in die eigene Hand

Studieren ohne Perspektive. Geht das? Ja, und zwar ziemlich lange!

Relativ früh in meiner Schullaufbahn wurde bei mir Legasthenie diagnostiziert. Über den zweiten Bildungsweg habe ich mein Fachabitur geschafft. Doch eine Perspektive, welche berufliche Tätigkeit ich mal ausüben will, hatte ich bis dato noch nicht. Dabei fragte ich mich stets, welchen Beruf soll ich denn ausüben, wenn ich keinen geraden Satz schreiben kann?

Dieser Gedanke hat mich mein halbes Leben lang begleitet. Hinzu kam noch, dass ich nie gelernt habe, richtig zu lernen. Warum auch? Ich bin Legastheniker, egal was ich mache, es wird sich nichts ändern – so war zumindest mein Gedanke.

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Wie ging es nach meinem Fachabitur weiter?

Ich muss ganz ehrlich gestehen, zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben hatte ich keine berufliche Perspektive.  Meine Antwort auf die Planlosigkeit: Dann studiere ich einfach.

Wirtschaftsinformatik hat Zukunft! Wirtschaft und Informatik, was will man mehr? Und so habe ich mich in den Studiengang eingeschrieben. Doch die Realität hat mich schnell eingeholt. Wenn einem Menschen Grenzen der eigenen Fähigkeit gesetzt werden, dann versucht er oft nicht, diese Fähigkeit trotzdem einzusetzen. Meine Grenze war meine Legasthenie. Folglich dachte ich immer: Egal, wie viel du lernst, es bringt nichts. Mit diesem Hintergedanken war ich im Studium schon zum Scheitern verurteilt. Erschwerend kam hierbei noch hinzu, dass die Mehrzahl der Module im Studium rein theoretisch gelehrt wurden und somit wenig Praxisbezug vermittelt wurde. 

So war ich lange ein eingeschriebener Student, doch Vorlesungen besuchte ich nur sporadisch. Ab dem 12. Hochschulsemester hörte ich auf zu zählen, wie lange ich schon für den Bachelor eingeschrieben war. Es dauerte noch einige Semester, bis bei mir der Wendepunkt kam.

Meine Leidenschaft entdeckt

Das Langzeitstudium musste auch finanziert werden. Deshalb suchte ich mir damals eine Stelle als Werkstudent. Ich fand eine Stelle in einem Softwareentwicklungsprojekt im Bereich Softwaretesten. Kritisches sowie analytisches Denken, neue Technologien kennenlernen und dafür auch noch bezahlt werden?

Das klang zu gut, um wahr zu sein – ich hatte damit meine Leidenschaft entdeckt. Aufgrund meiner Legasthenie und meiner langen Studienlaufzeit hatte ich allerdings wenig Hoffnung beruflich durchzustarten.

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Der Moment, der mein Leben verändert hat

Ich lernte den Menschen kennen, den ich jetzt meine Frau nennen darf. Sie war gerade in der Endphase ihres Studiums undverfasste ihre Masterthesis. Ich stamme aus einer klassischen Arbeiterfamilie – wirklich niemand in meinem Familienumfeld ist Akademiker. Ein wirkliches Lernumfeld oder eine Lernförderung hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennengelernt.

Bücher lesen, recherchieren und analysieren – diese Arbeitsweise kannte ich nicht. Als ich erlebte, wie viel Zeit, meine Frau für ihre Masterarbeit investierte, fragte ich mich, ob ich auch meine Komfortzone verlassen sollte. Ihre Arbeitsweise, ihr Fleiß und ihre Disziplin hatten mich fasziniert und ich fasste den Entschluss, das Lernen zu lernen. Ich fing an, mich bewusst mit Lernliteratur zu beschäftigen. Vera F. Birkenbihl und Karl Anders Ericsson wurden meine Lieblingslektüre. Ich setzte mich intensiv mit den Themen “Gehirngerechtes Lernen” und “Bewusstes Lernen” auseinander.

Der erste sichtbare Erfolg

Eines Tages stand eine Algebra-Klausur an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich große Furcht vor diesem Studienfach. Ich hatte zu meiner Frau gesagt: „Wenn ich die Klausur gut bestehe, dann beschäftige ich mich in Zukunft nur noch mit meinen Leidenschaften Softwareentwicklung und Software Testing. Die Ergebnisse der Klausur waren da! 1,3 in einem Thema, bei dem ich nie gedacht hätte, es zu bestehen. Die ersten Erfolge waren da, jetzt hatte ich richtig Feuer gefangen.

Jetzt werde ich Softwaretester!

Nach meinem Erfolgserlebnis fing ich an, Stellenausschreibung für Softwaretester zu analysieren. Welche Fähigkeiten sind gefragt? Schnell kam ich auf die ISTQB-Zertifizierung als Softwaretester. Auch Testautomatisierung war sehr gefragt. Die Vorbereitungsschulung für das ISTQB-Zertifikat kostete 1.700 Euro. Diesen hohen Betrag konnte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht leisten. Also bereite ich mich einfach im Selbststudium darauf vor. So fing ich an, mich wie ein Besessener auf die Zertifizierung vorzubereiten und mich mit dem Thema Testautomatisierung auseinanderzusetzen.

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Zertifizierter Softwaretester, die Welt stand mir offen! Oder doch nicht?

Jetzt hatte ich das Zertifikat und war anerkannter Softwaretester. Da ich noch eingetragener Student war, wollte ich Berufserfahrung im Softwaretesten als Werkstudent sammeln. Die ersten Bewerbungen waren verschickt, doch es kamen keine Rückmeldungen. “Viel hilft viel“ war mein Gedanke, also verschickte ich insgesamt 40 Bewerbungen. Trotz der zahlreichen Bewerbungen erhielt ich am Ende des Tages nur eine positive Rückmeldung.

Mein Start in die Positionierung und Weg zum Experten

Ich fing an, mir die Frage zu stellen: „Wie kann ich mich einzigartig auf dem Arbeitsmarkt positionieren?“ Durch das Stöbern auf YouTube sah ich, dass es keinen wirklichen Content zu den Themen „Softwaretest“ und „Testautomatisierung“ im deutschsprachigen Raum gab. Und so fing ich an, Content zu produzieren. Nebenbei erstellte ich noch eine Website zu diesen Themen. Ich fing an, Artikel zu schreiben. Als Legastheniker? Ja! Je mehr ich schrieb, desto besser wurde ich. Ab diesem Punkt fing ich an, meine Diagnose als Legastheniker zu hinterfragen. Mittlerweile bin ich mir sogar sicher, dass es eine Fehldiagnose war. Ich schreibe vier bis fünf Artikel im Monat und es macht mir richtig Spaß.

Die Positionierung zeigte Früchte

Durch meinen YouTube-Kanal und meine Website konnte ich mir ein Netzwerk in der IT-Branche aufbauen. Mittlerweile halte ich erfolgreich Workshops und Vorträge in dem Bereich und ich muss keine 40 Bewerbungen mehr schreiben. Ich kann mir trotz meines abgebrochenen Studiums durch meine Expertise und Positionierung den Arbeitgeber selbst aussuchen.

Als Mentor für Quereinsteiger

Durch meinen YouTube-Kanal sind einige Zuschauer auf mich zugekommen, die gerne den Quereinstieg in die IT starten wollten. Seit 2017 ich habe ich einigen Quereinsteigern, den Einstieg in das Softwaretesten ermöglicht. Es macht mir großen Spaß, wenn ich sehe, dass ich Menschen eine neue berufliche Perspektive ermöglichen kann. Oft braucht es einen Mentor, so wie ich ihn mit meiner Frau hatte, der einem den richtigen Weg aufzeigt und mit dessen Hilfe es, effektiver und effizienter abläuft

Es gibt kein Studium und keine berufliche Ausbildung, die Dich optimal auf den Beruf des Softwaretesters vorbereitet. Aufgrund dessen habe ich, Qcademy gegründet, eine Quereinsteiger Academy für das Software Testing, die gerade Teilnehmern ohne Ausbildung oder IT-Hintergrund den Quereinstieg ermöglicht.

Fazit

Ich habe gelernt, dass ich mir keine Grenzen mehr setzen lasse, sondern Wege finde, diese zu durchbrechen. Ich kann Dir nur empfehlen, dass Du Deine eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten nicht selbst begrenzen solltest. Auch wenn Du keinen geraden Lebenslauf hast, gibt es immer Wege, Dein berufliches Ziel zu erreichen. Oft braucht es einen Mentor, der Dir den richtigen Weg zeigt, am Ende musst Du ihn aber selbst gehen. Doch Du kannst es schaffen – Deine Zukunft liegt in Deiner Hand!

Jakob R. Jaworski

Jakob R. Jaworski

Gründer & Coach Qcademy

Seit mich die Begeisterung für Wissen und Lernen ergriffen hat, beschäftige ich mich mit vielen Themen wie bspw. Softwareentwicklung, Testing, Testautomatisierung, Psychologie, gehirngerechtes Lernen, Systemtheorie und Rhetorik. Ich bin Mitgründer der Qcademy, einer Academy für den Quereinstieg in die IT.  Mit meiner ganzen Energie verhelfe ich Menschen zu neuen beruflichen Perspektiven.